Es ist immer wieder beindruckend, wenn man sich die Zeitspanne zwischen den ersten zimmergroßenRechenzentren und den heutigen portablen Devices im Hosentaschenformat vor Augen führt. Ein jeder der sich schon länger mit IT beschäftigt, kann daher auch von Systemen berichten, mit denen er gearbeitet hat, aber heute schon lange nicht mehr in Verwendung sind. Dieses Systemsterben hat zur Folge, dass unser digitales kulturelles Erbe nur sehr zeitlich begrenzt auch auslesbar und verwertbar ist. Verschwindet das zugehörige System, werden Daten unbrauchbar und sind nicht für die Forschung und Nachwelt nicht verwertbar.
Diesem Problem widmet sich das europäische Projekt KEEP. Mittels der Entwicklung von Migrationsstrategien und Emulationssoftware wird versucht, langfristige Lösungen zu schaffen, um digitale Daten aus abgelösten Systemen für Repositorien darstellbar zu machen. Migration konzentriert sich auf die Datenseite und wandelt Datenformate in von modernen Systemen Daten um. Emulation setzt dagegen auf der Hardwareseite an, indem alte Systeme in einer modernen Systemumgebung simuliert werden, um die alten Datenformate wiederzugeben. Die Art der Daten, deren Rettung sich das Projekt verschrieben hat, ist vielfältig: Text-, Sound- und Bilddateien sowie Multimedia Dokumente, Webseiten, Datenbanken, Videospiele etc.
Um die Entwicklungen des Projektes vorzustellen, veranstaltet das Projekt einen Workshop am 2. Februar 2012 in der Nationalbibliothek in Frankfurt. Die Themenpallette des eintägigen Workshops ist vielfältig, neben der Vorstellung des KEEP Emulation Framework und der KEEP Virtual machine werden u.a. der Transfer von Medien, der Umgang von Metadaten in emulierten Umgebungen und juristische Fragen bei der Verwendung von Emulationstools thematisiert. Der Event ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist aber begrenzt, eine Anmeldung ist daher erforderlich.
Der Workshop war ein sehr interessanter Einblick in den derzeitigen Stand des Emulation-Frameworks. Es können nach Angaben der Entwickler derzeit 7 Emulatoren, mit 6 Betriebssystemen und 25 Formaten betrieben werden können. Technisch ist bereits wesentlich mehr möglich - scheitert aber nur allzuoft an restriktiven Copyright Richtlinien der Herstellter der emulierten Software. Die Vorteile der Emulation gegenüber der Migration liegen auf der Hand, da die Codestruktur der digitalen Objekte nicht mehr angetastet werden muss. Dennoch sollte erwähnt werden, dass weiterhin immer im Einzelfall Migration vs. Emulation geprüft werden muss.